Freitag, 17. Juli
Am letzten Abend gibt es vom
Campingplatz in Horw
aus noch ein besondertes Spektakel: die Spitzen des Pilatusbergs werden beleuchtet - ein schöner Abschiedsgruß
. Auch vom Hochgebirge verabschiede ich mich damit.
Huldreich Zwingli war von 1506 bis 1516 Pfarrer in
Glarus; die ale Stadtkirche
brannte 1861 ab und wurde durch diesen Neubau ersetzt, noch bis 1964 wurde sie zusammen mit den Katholiken benutzt, bis
diese ihre eigene Kirche bauen konnten.
Auf dem Schlachtfeld, wo 1388 die Habsburger geschlagen wurden steht heute die
Hilarius von Poitiers geweihte
Kirche in Näfels, die
auch dem Landespatron Fridolin von
Säckingen gedenkt, weil er in der Schlacht den Eidgenossen beigestanden habe. An die Schlacht erinnert bis heute der
erste Donnerstag im April, der ein Feiertag im Kanton
Glarus ist und
durch die
Näfelser Fahrt
geprägt wird, bei der zahlreiche Menschen nach Näfels ziehen und dort der Schlacht gedenken
In der damaligen
Industrieschule des
Ortes unterrichtete ab 1850 Maria Theresia
Scherer.
Das ehemalige Kloster
im schönen Bergort Alt St. Johann in Toggenburg wurde mit seinem Abt Burchard Ziel einer Streitschrift von
Berthold von Engelberg über den
Aufenthalt der alttestamentlichen Gerechten vor dem Tod Christi. Schon vor rund 400 Jahren wurde das Kloster aufgelöst.
In einem Außenbezirk von St. Gallen ist die ab 1905 erbaute große
Kirche Otmar geweiht.
Neben der Magnus geweihten
Kirche St. Mangen in
St. Gallen, an der Rachildis und
Wiborada lebten, steht die alte
Gewerbeschule. Christian Heinrich Zeller
reformierte das Schulwesen der Stadt.
Im nahen
Vorarlberg
habe ich noch zwei Orte zu besuchen; der Grenzübertritt und die wenigen Kilometer auf der Autobahn entwickeln sich zum
Geduldsspiel: überall riesige Autoschlangen: am Freitagabend fahren - offenbar alle - Schweizer über die Grenze, um billig
einzukaufen. Beim Kurs von 1 : 1 kosten die Dinge hier nur recht die Hälfte, zudem bekommt man noch die Mehrwertsteuer
erstattet. Und weil auch das Benzin hier viel billiger ist, kostet auch die Fahrt nichts. Auch ich bin ja nicht zuletzt
deshalb nun hier. Und habe beim Tanken ein großes Aha-Erlebnis: die Fahrten in der Schweiz absolvierte ich mit 8,4 l /
100 km - und das trotz Klimaanlage auf den meisten Strecken; sonst brauche ich mit der Kiste auch ohne Klimaanlage 10 l;
die langsame Schweizer Gangart schont den Geldbeutel!
Die Ziegen am Berg über dem Rheintal stört der Stau nicht.
Mein Ziel ist diese
Kapelle im Dorf
Bildstein; hier erschien 1629 Maria den
Bergbauernsöhnen Johannes und Martin Höfle …
… was das Holzrelief von Heinrich Ludwig aus dem Jahr 1945 in der Kapelle darstellt. 1887 wurde die Kapelle an der
Stelle der Erscheinung gebaut.
Damals in der Zeit der großen Pestepidemie durch den Dreißigjährigen Krieg hatte ihr Vater versprochen, an der Stelle der
seitherigen Holzkapelle, in der ein steinerner Bildstock von
Maria stand - daher der Name des Ortes -, eine
Kirche aus Stein zu
bauen, wenn seine Familie von der Pest verschont bleibt. Obwohl das der Fall war, ließ er sich mit der Erfüllung des
Gelübdes Zeit; deshalb erschien Maria, weiß und strahlender als die Sonne, seinen Söhnen und erinnerte an die Ausführung,
die nun in Angriff genommen wurde. Nach dem Ende des Krieges und aufgrund der Erscheinung wurde das Dorf zum
Wallfahrtsort, der Bischof genehmigte eine große
Kirche; nachdem Maria 1650 Martin Höfle noch mehrfach erschien wuchs das Bauwerk, 1670 wurde die Kirche geweiht, zahlreiche
Gebetserhörungen machten die Wallfahrt bekannt, 1684 kamen schon über 27.000 Menschen zur
EucharistieDie Eucharistie - von griechisch „ευχαριστειν, Dank sagen” - vergegenwärtigt das heilvolle Sterben Jesu Christi.
Die Römisch-Katholische, die Orthodoxe und die Anglikanische Kirche nennen diese Mahlfeier im Anschluss an 1. Korintherbrief 11, 24 Eucharistie, die Evangelischen Kirchen sprechen von „Abendmahl” im Anschluss an Markusevangelium 14, 17 und 1. Korintherbrief 11, 23..
das Gnadenbild in der Kirche
Neben der Kirche wurde 1697 eine Quelle gefasst als
Brunnen
Unserer Lieben Frau
, um die Kirche wurde ein
Mariengarten
angelegt.
Labsal auch: das aufziehende Gewitter, das die mörderischen Temperaturen der letzten Tage endlich beendet. Das Schweizer
Radio berichtet, die Armee müsse auf den Alm Wasserbecken aufstellen und per Hubschrauber hunderttausende Liter Wasser
dorthin transportieren, weil die Kühe nichts mehr zu Trinken haben. Dürre in den Alpen!
Die Wallfahrt blüht noch immer.
Aber mit fällt der Kontrast zur Schweiz auf: österreichischer Schmäh
kontrastiert zur schweizerischen Ordnung:
auf der Autobahn warnt das Polizeiauto vor dem Stau - in dessen Mitte, nicht an seinem Anfang; auf den wenigen Kilometern,
die ich hier unterwegs bin, sind Straßen gesperrt, was aber nicht an deren Beginn, sondern erst an der Baustelle angezeigt
wird; beim Einkaufen ist das Personal weniger freundlich als genervt; und die Autofahrer drängeln oft, ganz anders als in
der rücksichtsvollen Schweiz.
In Hohenems ist die Kirche
Karl Borromäus geweiht; er war auch hier
tätig, als er in der nahen Schweiz gegen die Reformation wirkte.
Borromäus hatte verwandtschaftliche
Beziehung zu Hohenems: seine Halbschwester war die Frau von des Grafen Jakob Hannibal von Hohenems. Ihr Sohn baute dieses
neue Schloss …
… und gab die alte Burg auf dem Berg darüber auf.
In der Kirche wird eine
Reisekappe
von
Karl Borromäus als
Reliquie gezeigt.
Am Schulhaus gegenüber sind weltliche und kirchliche Macht nicht nur verwandtschaflich vereint.
Samstag, 18. Juli
Restarbeit führen mich heute auch noch nördlich des
Bodensees. In Ravensburg
begrüßt mich das Denkmal von Kaiser Wilhelm - da blüht also die deutsch-französische Freundschaft
In der Kirche St. Jodokus
liegen Reliquien von
Jodokus.
eine schöne Altstadt
An der Stadtkirche
war Theophil Wurm Pfarrer. Auch sie wurde nach
der Reformation simultan genutzt: von den Evangelischen und den
Kapuzinern, zu deren Kloster die Kirche gehörte. 1806
wurde das Kloster in der Säkularisation aber aufgelöst.
Rupert Mayer wurde auch in Ravensburg,
am Spohn-Gymnasium,
ausgebildet.
In Weingarten steht natürlich das ehemalige
Kloster im Mittelpunkt.
Achatius von Byzanz wird hier
verehrt, Bertold von Weingarten und
Meingoz von Weingarten waren Äbte,
Euphemia war hier Nonne vor dem
Umzug des Frauenklosters nach
Altomünster.
ganz schön weit … Vor zehn Wochen war ich dort.
Die Barockkirche ist überwältigend - hier Statuen von
Joseph von Nazareth mit dem
Jesuskind und Bischof
Konrad von Konstanz am Hochaltar, 1719/23
durch Diego Francesco Carleone geschaffen.
Der Kreuzigungsaltar von Diego Francesco Carleone.
Wenig erinnert an die frühere
Welfenburg oberhalb
Weingarten, in der Konrad von Konstanz
geboren wurde.
Mit der Fähre von Meersburg
nach Konstanz mache
ich mich auf den Weg zurück in die Schweiz.
In einem kleinen Dorf auf dem Land fällt dieses Haus ins Auge - von außen jedenfalls traumhaft!
In St. Gallenkappel ist die
Kirche dem Ortspatron
Gallus geweiht.
Auf der Insel Ufenau
im Zürichsee lebten Reginlind von Schwaben
und ihr Sohn Adalrich von Einsiedeln.
Die Pfarrkirche in Auw
ist Ausgangspunkt eines Pilgerwegs, der zur Heiligsprechung von
Maria Bernarda Bütler, der ersten
heiliggesprochenen Schweizerin, eingerichtet wurde.
Schön am Rande: ein restauriertes altes Haus
Nur wenige Kilometer weiter: eine ähnliche Kirche, die in
Beinwil im Kanton
Aargau, an der Burkhard von Beinwil
wirkte.
In der Krypta der Kirche
steht die Staue des heiligen Pfarrers, 1884 von Franz Sales Amlehn geschaffen.
Heilkräftig: der Burkhards-Brunnen neben der
Kirche.
Das ehemalige Kloster in Muri wurde
durch die Reliquien von
Leontius berühmt.
Adelhelm und
Burkhard von Beinwil waren hier Mönche,
Luitfried Abt,
Markus von Aviano predigte auf seiner
Missionsreise durch Mitteleuropa. In einer Kapelle ruht seit 1971 das Herz des letzten Habsburger Kaisers,
Karl I. Franz Joseph von Österreich.
Der Pfarrer der
Nikolauskirche in
Bremgarten im Aargau lebte im Konkubinat und wurde so der Vater des Reformators
Heinrich Bullinger.
Bremgarten ist eine herrliche alte Stadt …
… wo die Leute direkt neben dem Stadtturm in der Reuss baden …
… und im Zentrum den Samstagabend genießen.
Etwas außerhalb des Zentrums gibt es jetzt auch eine
reformierte Kirche.
Sonntag, 19. Juli
Von der Burg Seldenbüren beim heutigen
Sellenbüren, aus der
Konrad von Seldenbüren und
Reginbert von Seldenbüren stammten,
gibt es keine Spuren mehr; der Ort ist heute Villenvorort von Zürich und man erkennt, dass dort einige Leute viel Geld
machen (manche vielleicht sogar verdienen).
In Zürich begrüßt mich das
Fraumünster, in dem
Reginlind von Schwaben Vorsteherin
war, mit Bauplatz davor.
Es wird an unzähligen Stellen in der Schweiz gebaut: Straßen, Plätze, Häuser, Fabriken - kein Ort ohne Baustellen -
welch ein Kontrast zu neulich in Portugal und Spanien, wo es keine Baustellen gab. Keine. Nirgendwo. Nichts.
Das Großmünster wurde
über den Gräbern der Märtyrer Exuperantius,
Felix und
Regula, der Stadtpatrone, erbaut. Bald darauf war
Thietland von Einsiedeln hier Dekan.
Es wurde dann Zentrum der Reformation unter
Huldreich Zwingli und
Heinrich Bullinger, auch
Johannes Zwick,
Katharina Zell kamen, um die Reformation zu
studieren.
Das Rathaus an der
Limmat; sein Vorgängerbau war Schauplatz der Entscheidung des Rates der Stadt zur Einführung der Reformation.
Die Limmat - darüber die Türme des
Großmünsters -
durchquert, prägt und scheidet die Stadt.
Der legendäre
Paradeplatz
mit der Bank Credit Suisse
ist kein städtebauliches Highlight.
Zwingli-Denkmal am
Zwinglihaus, der Kirche
der italienischen reformierten Gemeinde. Schon in der Reformationszeit kamen
Bernardino Ochino und
Georg von Ghese nach Zürich.
Auf dem Sihlfriedhof
suche ich das Grab von Henri Dunant. Zwar habe ich
dessen Nummer, dennoch irre ich in der Hitze durch den riesigen Friedhof und suche - die Nummer ist zweimal vergeben, auch
sonst ist von Schweizer Ordnung und Gründlichkeit in der Nummerierung hier nichts zu merken. Immerhin finde ich das Grab
von Johanna Syri, der Autorin des
Heidi
-Romans; Kindheitserinnerungen werden wach; und nachdem ich meine erste
Nacht an der Autobahnrastätte Heidiland
bei
Chur verbracht hatte,
sehe ich nun an meinem letzten Tag in der Schweiz das Grab.
Schlussendlich finde ich nach weit über eine Stunde doch noch auch
Dunants prächtige Grabstelle - und komme dann
gerade noch rechtzeitig an meine Kiste zurück, um keinen Strafzettel zu erhalten: zwei Schweizer Polizisten haben am Sonntag
nachmittag tatsächlich nichts besseres zu tun, als in Gluthitze zu kontrollieren, ob die (wenigen) Friedhofbesucher ihren
Park-Obulus entrichtet haben.
Auf dem Weg zum
Philosophischen Seminar,
wo Hildegard Burjan studierte: martialisch
ausgestatteten Polizeiautos - dagegen sind jene in
Berlin geradzu
harmlos -; dass Zürich eine Stadt mit heftigen Auseinandersetzungen ist, wusste ich - aber das erinnert ja an Bürgerkrieg.
Wie eine kleine Festung präsentiert sich auch die
Arbogast von Straßburg geweihte
- heute reformierte - Kirche
in Muttenz bei Basel.
Dort liegen Rechenschaftsbericht des Kirchgemeindepräsidenten
und Protokoll der Kirchgemeindeversammlung aus:
interessant, wie basisdemokratisch hier alles behandelt und beschlossen wird. Die Kirchensteuer beträgt 0,55 % vom steuerbaren
Einkommen (bei uns rund 3 %), dazu 0,085 vom steuerbaren Vermögen - es gibt hier Vermögenssteuer, die Schweiz muss ein
kommunistisches Land sein! (Eine Bürgerversicherung
für die Rente, in die alle Beitrag abführen und zwar mit
progressiver Ein- aber gedeckelter Auszahlung gibt es hier auch!)
Nun heißt es: Schweiz ade, es war sehr schön - und sehr teuer! Zum Arbeiten will ich mich ins
Elsass zurückziehen
und habe mir dafür den Campingplatz in Ribeauvillé ausgesucht - aber der ist komplett belegt - es ist Hochsaison des
Tourismus. Als Ausweichsmöglichkeit gibt es den
alten Campingplatz des
Ortes, wunderschön im engen Tal gelegen, mit einfacher, aber ausreichender Ausstattung - leider ohne Internet. Es wäre schön
hier auf dem nicht durch unnötigen Schnick-Schnack - die
ADAC-Campinginspektoren
lassen grüßen - verdorbenen Platz,
aber so macht es keinen Sinn.
Montag, 20. Juli, bis Donnerstag, 23. Juli
Also mache ich mich in der Nähe auf die Suche - nach drei vollen Campingplätzen finde ich schließlich - den letzten ! -
Platz auf dem Camping in
Eguisheim; der Internetempfang ist miserabel, mein Platz in praller Sonne, die Familienurlauber aus Belgien, Dänemark,
natürlich Holland - wenig Franzosen, kaum Deutsche - sind ein merkwürdiges Völkchen; aber ich kann arbeiten.
Und: es gibt hier jeden Abend Besuch: Adebar kommt, wenn die Leute zu Abend essen und hofft - nicht vergeblich - etwas
abzubekommen.
Tracks: gibt's keine
geschrieben vom 20. bis 23. Juli 2015